von Au, Maleen
Wirtschaft
Manche Ortsmitten erzählen ihre Geschichte leise. Ein geschlossener Laden, ein leerstehendes Wohnhaus, eine Scheune, die nur noch als Abstellraum dient – einzeln betrachtet wirkt das unspektakulär. Zusammen aber zeigen solche Orte eine zentrale Herausforderung für viele Städte und Gemeinden: Wie bleiben Innenstädte und Ortskerne lebendig, wenn sich Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Mobilität verändern?
Genau hier setzte das Projekt „Mobilisierung und Qualifizierung von Flächenpotenzialen in Innenstädten und Ortsmitten der Region Neckar-Alb“ an. Von Januar bis Dezember 2024 untersuchten der Regionalverband Neckar-Alb und die Modellkommunen Burladingen, Haigerloch und Trochtelfingen, welche Chancen in Gebäuden und Flächen stecken, die bislang nicht oder nur wenig genutzt werden.
In den drei Kommunen wurden Leerstände im ersten Schritt systematisch erfasst und besondere Herausforderungen anhand von typischen Fallkonstellationen offen gelegt. Entscheidend war außerdem die Frage, warum Gebäude leer stehen – und was passieren müsste, damit wieder Leben einzieht. Liegt es am baulichen Zustand? An offenen Erbfragen? An fehlender Nachfrage? An Unsicherheit über Kosten, Förderung oder Nutzungsmöglichkeiten? Oder daran, dass ein Gebäude emotional noch zur Familie gehört, obwohl es seit Jahren kaum genutzt wird?
Besonders deutlich wurde das in Gruol, einem Stadtteil von Haigerloch. Dort wurde der direkte Dialog mit Eigentümer:innen erprobt. Nach einer Bestandsaufnahme wurden Betroffene persönlich angesprochen und zu individuellen Beratungsgesprächen eingeladen. Architekten und Raumplaner zeigten Optionen auf: Sanierung, Umbau, Vermietung, Verkauf, Abriss oder Neubau.
Das Projekt zeigte: Innenentwicklung ist keine reine Planungsaufgabe. Sie braucht Datengrundlagen, aber auch Gespräche. Fachwissen, aber auch Vertrauen. Gute Ideen, aber auch Menschen, die sie weitertragen. Deshalb war der Austausch mit Bürgermeister:innen, Ortsvorsteher:innen, Verwaltungen, Planenden und Eigentümer:innen von Beginn an ein wichtiger Bestandteil.
Mit dem Abschluss des Projekts liegt nun ein Leitfaden vor, der die Erfahrungen bündelt. Er beschreibt Ursachen von Leerstand, typische Ausgangslagen, Handlungsebenen und konkrete Maßnahmen – von baulichen und planerischen Ansätzen bis hin zu Eigentümeransprache und Leerstandsmanagement. Damit wird aus den Erfahrungen in Burladingen, Haigerloch und Trochtelfingen ein Werkzeug für die gesamte Region.
Januar 2024 – Dezember 2024
Wirtschaft